Wir müssen die Gender Pay Gap schließen!

 

 

ploya. zeigt Haltung

Wir müssen die Gender Pay Gap schließen!

Die Gender Pay Gap ist nicht nur ein Problem für die Frauen, die in unserer Arbeitswelt immer noch benachteiligt werden. Die Pay Gap geht uns alle an, denn sie ist ein Problem für unsere Gesellschaft. Wenn wir es nicht schaffen schnell dafür zu sorgen, dass Frauen fair bezahlt und auf dem Arbeitsmarkt die gleichen Startchancen geboten bekommen, verschwenden wir Arbeitskraft und Einkommen – beides brauchen wir in Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel dringend.

Die unbereinigte Gender Pay Gap

Die Gender Pay Gap beschreibt die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen innerhalb einer Volkswirtschaft. In Deutschland haben Frauen im Jahr 2020 rund 20 % weniger verdient als Männer. Die Gründe dafür sind vielfältig und oft struktureller Natur: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, um sich gleichzeitig um Familie und Haushalt zu kümmern. Soziale und pflegerische Berufe, die  unterdurchschnittlich bezahlt werden, haben Frauenanteile von rund 80%. Dafür sind Frauen noch immer selten in den gut bezahlten Führungspositionen zu finden. Am Ende hat eine Frau im Durchschnitt rund 45% weniger Lebenserwerbseinkommen als ein Mann.

Die Gender Pay Gap lässt sich nicht rechtfertigen

Spannend ist die Argumentation derer, die die Gender Pay Gap leugnen oder rechtfertigen. „Frauen wollen doch in Teilzeit arbeiten und Mutter sein.“ Oder: „Frauen entscheiden sich doch für diese schlecht bezahlten Berufe. Es zwingt sie keiner Kindergärtnerin zu werden.“ Oder auch: „Ist doch nicht meine Schuld, wenn Frauen ihre Gehälter schlecht verhandeln”.

Liebe Männer und liebe Frauen, die so argumentieren, es will euch keiner etwas wegnehmen. Keiner will euer Gehalt kürzen. Keiner will eure Arbeitsleitung schmälern. Hand aufs Herz, ich verstehe nicht, wie man dagegen argumentieren kann, dass jeder Mensch, die gleichen Chancen auf das gleiche Gehalt erhält. Denn mehr als das wird nicht gefordert.   

Ja, Frauen arbeiten öfter in Teilzeit als Männer und häufiger aus dem Grund, dass sie sich um Kinder oder Eltern kümmern wollen. Und es wäre anmaßend zu behaupten, dass jede Frau dies aus aufgezwungenen Rollenbildern tut und nicht, weil sie es selber auch genau so möchte. Aber die eigentliche Frage ist, würden sich diese Frauen gleich entscheiden, wenn sie wüssten, dass es eine vernünftige Alternative für die Betreuung ihrer Kinder und die Pflege ihrer Eltern gebe? Oder würden sie sich nicht für finanzielle Unabhängigkeit, eine ordentliche Rente und eine eigene Karriere entscheiden?

Genauso anmaßend ist die Frage nach der Berufswahl. Wer sich dazu entschließt, Erzieherin oder Altenpflegerin zu werden, tut dies mit Sicherheit aus anderen Gründen als aus dem Wunsch nach einem üppigen Gehalt. Der Wunsch Nützliches zu tun sollte mindestens genauso respektiert werden wie der Karriere als Konzernchef zu machen. Wird er aber nicht und auch das ist etwas, das unserer Gesellschaft nicht gut tut.

Dann bleibt nur noch das Argument, dass Frauen schlechter verhandeln als ihre männlichen Kollegen. Befragungen zeigen, dass Frauen später nach Gehaltserhöhungen fragen, sich in den Verhandlungen unsicherer fühlen und sich häufig weniger berechtigt fühlen Leistungen einzufordern als ihre männlichen Kollegen. Befragungen zeigen jedoch auch, dass Vorgesetzte Männer als selbstbewusst, zielorientiert und ehrlich einschätzen, wenn sie mehr Gehalt verlangen. Frauen hingegen wird das Verlangen von mehr Gehalt häufiger negativ ausgelegt. Die Unsicherheit der Frauen ist daher keineswegs Zimperlichkeit oder falsche Zurückhaltung, sondern oft begründet.

Die bereinigte Gender Pay Gap

Die bereinigte Gender Pay Gap ist die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen, die entsteht, wenn man strukturelle Faktoren nicht mit einberechnet – also zum Beispiel die Teilzeitquote außer Acht lässt. Es bleibt dann die Gehaltsdifferenz von durchschnittlich 6% bei gleicher Qualifikation und vergleichbarer Tätigkeit. Also der Unterschied im Stundenlohn von Frauen und Männern, die den gleichen Beruf gleichlange und gleich gut ausüben.

Was wir tun müssen, um die Gender Pay Gap zu schließen

6% klingt erstmal nicht viel und weniger dramatisch als die ursprünglichen 20%. Bei einem Durchschnittsgehalt von 3.092 Euro im Monat sind das 185,50 Euro, die fehlen. Würdest Du grundlos darauf verzichten wollen?

Die 6% sind noch viel mehr als eine einfache Gehaltsdifferenz. Sie sind ein deutlicher Beweis, dass Frauen benachteiligt, womöglich sogar diskriminiert werden und eine Mahnung, dass sich etwas ändern muss. Die schwierigste Frage ist und bleibt jedoch die nach der Verantwortung. Wer ist eigentlich in der Pflicht, die Gender Pay Gap zu schließen? Die Frauen, weil sie den größten Nutzen davon hätten? Der Staat, der in der Pflicht ist, die Gleichberechtigung von Männern und Frauen zu schützen? Die Unternehmen, die sich in der heutigen Zeit zunehmend als weltoffen, tolerant und divers bezeichnen?

Ich sage keiner und jeder muss zur Verantwortung gezogen werden. Die Gender Pay Gap ist ein gesellschaftliches Problem mit undurchsichtigen Ursachen. Man kann kein Unternehmen zwingen aus reiner Nächstenliebe ein höheres Gehalt zu zahlen als gefordert wurde – aber man kann Transparenz fordern. Frauen können einfordern, dass Gehälter offen mit denen ihrer männlichen Kollegen verglichen werden oder dass in Stellenanzeigen Gehälter veröffentlicht werden, an denen sich jeder orientieren kann. Wir müssen das Tabuthema Gehalt zu einem offenen Dialog machen. Denn nur so können wir das abstrakte Phänomen Gender Pay Gap zu einem erlebbaren, realen Problem machen. Dann nämlich, wenn es plötzlich nicht mehr eine Statistik ist, sondern 180 Euro, die ich jeden Monat weniger habe als der Kollege, der die gleiche Arbeit macht.

Um die unbereinigte Gender Pay Gap von 20% zu schließen, müssen wir zunächst Voraussetzungen schaffen, die es Frauen ermöglichen, sich auf dem Arbeitsmarkt genauso zu verhalten wie ihre männlichen Kollegen. Das bedeutet, wir müssen die Last der unbezahlten Sorgeleistungen, die für unsere Gesellschaft unabdingbar sind, verringern und besser verteilen, zum Beispiel durch mehr Betreuungsangebote für Kinder und Senioren. Wir müssen dafür sorgen, dass eine Frau, die harte Gehaltsverhandlungen führt, genauso bewundert wird, wie ihr männlicher Kollege. Und vor allem brauchen wir all das so schnell wie möglich. Denn wenn wir weitermachen wie bisher, haben wir ein Problem: Auf einem Arbeitsmarkt, der schon jetzt unter Fachkräftemangel leidet, werden in den nächsten Jahren zunehmend mehr Arbeitskräfte fehlen.

Quellen:

https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2020/maerz/die-grosse-kluft-frauen-verdienen-im-leben-nur-halb-so-viel-wie-maenner

https://www.partnerschaftlich.org/themenmagazine/2018-01/soziale-arbeit-als-frauenberuf-gering-geschaetzt-gering-bewertet.html#:~:text=Quasi%20seit%20Jahrzehnten%20liegt%20der,11). 

https://www.presseportal.de/pm/64022/4855851

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/03/ PD21_106_621.html